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Thomas - Mann - Haus e.V.
 
 

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Der fünfjährige Festivalzyklus von 2014 bis 2019 steht unter dem Motto "Erbe der Moderne. 100 Jahre nach dem Großen Krieg"



 

Das 20. Thomas-Mann-Festival findet unter dem Motto „Menschenwürde“ vom 16.-23. Juli 2016 in Nida statt.

Programm des 20. Internationalen Thomas-Mann-Festival

Menschenwürde
Im Rahmen des fünfjährigen Festivalzyklus unter dem Motto "Erbe der Moderne, 100 Jahre nach dem Großen Krieg"

Der Maler Max Pechstein wurde im Mai 1916 zum Kriegsdienst eingezogen und kämpfte in Frankreich an der Somme, an einem Abschnitt, in dem rund eine Million Soldaten binnen eines halben Jahres ihr Leben lassen sollten. Während dieser Zeit schrieb er in einem Brief an seinen ehemaligen Kommilitonen und Künstlerfreund Alexander Gerbig „… es gehört verdammt guter Mut dazu, noch lebenslustig zu bleiben. Manches geht doch verdammt gegen die Menschenwürde.“ Und einige Zeilen weiter heißt es:“... ich muss noch so viel Energie für mich retten, dass ich auch nach diesen entnervenden Jahren das für meine Kunst leisten kann, was ich möchte und muss.“

Max Pechstein Thomas Mann Festival

(Max Pechstein 1920, Foto von Minya Diez-Dührkoop)
Briefkontakte waren in jener Zeit die häufigsten Verbindungen zur Front. Aber ihre Schreiber teilten meistens keine genauen Fakten der grausamen Ereignisse mit, in die sie dort verwickelt waren, sondern die Inhalte spiegelten vor allem die seelischen Zustände der Verfasser wider. Pechstein beschloss also, Energie für sich zu retten und an vielen Orten des Kriegsgeschehens entschieden sich Personen gleichfalls, Dinge zu tun, die bisher nicht in ihrem Möglichkeitsrahmen gelegen hatten. Wenden wir unseren Blick von der West- zur Ostfront. Hier hatte das deutsche Heer den gesamten Landstrich zwischen Białystok und Ventspils und damit auch ganz Litauen besetzt und eine eigene Verwaltung Ober Ost gegründet. Über das Leben unter der deutschen Besatzung ist relativ wenig veröffentlicht worden. Doch es gab zivilgesellschaftliche Initiativen, wie die Gründung und den Ausbau des Vereins „Lietuvių draugija nukentėjusiems dėl karo šelpti“ (Litauischer Verein zur Unterstützung der Kriegsflüchtlinge), in dem zahlreiche Aktivitäten für die vor der deutschen Besatzung geflohenen Zivilisten stattfanden oder aber die Spenden-und Baustoffsammlung für die Errichtung der von Antanas Vivulski entworfenen „Drei Kreuze“ 1916 in Vilnius. In ihrem ersten Jahresbericht schrieb der Vorsitzende des Vereins, Martynas Yčas: „Unterstützung für die Kriegsflüchtlinge war eine völlig neue Sache. Da konnte man  nur aus dem eigenen Leben  und  den neuen  Erfordernissen  lernen. In  Litauen  gab es keine gesellschaftlichen Organisationen, deren Angestellte Erfahrung hatten und sofort die Arbeit aufnehmen konnten, um breite Hilfe zu leisten.“ Die Arbeit dieses Vereins wurde zu einem großen Erfolg und einem Meilenstein des zivilgesellschaftlichen Engagements.

Sowohl Stimmen, wie die Klage Pechsteins, dass manches „doch verdammt gegen die Menschenwürde“ gehe, wie auch das vielfältige ehrenamtliche Engagement für die Flüchtlinge oder  für ein eigenes Stadtzeichen blieben in den großen Strichen der Erinnerung unerwähnt und unberücksichtigt, denn es handelte sich um Dinge, die nicht unmittelbar fass-und messbar waren, begrifflich schwer zu umreißen sind, aber für eine demokratische Gesellschaft unerlässliche Bestandteile bilden. Wenn wir uns nun konkreter mit dem Begriff der Menschenwürde befassen, werden wir bei unserem Namenspatron Thomas Mann nicht so rasch fündig. Er meinte in der Zeit des Ersten Weltkrieges: “Menschlichkeit als politische Philosophie und demokratisches Prinzip steht auf schwachen Füßen.“ (in: Einiges über Menschlichkeit) Erst in der Zwischenkriegszeit sollte sich seine Haltung in dieser Frage einhergehend mit der Entwicklung seines Demokratieverständnisses wandeln und in seinen Rundfunkansprachen während des Zweiten Weltkrieges spielte der Begriff der Menschenwürde eine wesentliche Rolle. Welche Ursachen hatte dieser lange Wandlungsprozess? Wie wird der Begriff der Menschenwürde heute begriffen und definiert? Sagt er uns etwas? Ist er noch relevant oder vielleicht schon überholt?

Ruth Leiserowitz, für das Kuratorium des Thomas-Mann-Kulturzentrums, Nida im September 2015

Programm des 20. Internationalen Thomas-Mann-Festival

 

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