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Die Stellung der Intelektuellen im Thomas-Mann-Festival zum aktuellen Geschehen



  Interview im Juli 2014: Der Zusammenhang der Eintags-Ereignisse mit langfristigen sozialen Entwicklungen, Erscheinungsbild der Geopolitik und Technologienentwicklung in der Kultur, existentielle Fragen und Sinn der schöpferischen Tätigkeit – diese Leitmotive verspricht für seine Gäste das 18. Internationale Thomas-Mann-Festival „Jahrhundertsommer“, das bereits bald, vom 12. bis 19. Juli, in Nida stattfindet.

 
Lina Motuzienė
„Das Thomas-Mann-Kulturzentrum will mit seinen Aktivitäten den kulturellen und Bildungsspielraum erweitern. Dafür sind die lokale Anziehungskraft, die Aura um das Thomas-Mann-Sommerhaus, die starke Gemeinde der Nehrung und die Tätigkeit günstig, die viele Menschen aus Litauen und anderen Ländern vereinigt“, – so Lina Motuzienė.

Laut der Koordinatorin des Festivals, der Leiterin des Thomas-Mann-Kulturzentrums Lina Motuzienė, passt das Festivalprogramm, auch wenn es Veranstaltungen verschiedener Genres umfasst und im Kurort Nida in der Hauptsaison präsentiert wird, nicht in den Rahmen eines reinen Unterhaltungsevents oder einer geschlossenen Gesprächsrunde von Wissenschaftlern und Künstlern, wo nur für sie aktuelle Themen behandelt werden. 

„Meldungen, die das Thomas-Mann-Festival jedes Mal der Öffentlichkeit vermitteln will, sind eng mit dem aktuellen Geschehen verbunden. Beim Betrachten der aufregenden Entwicklungen und Umwandlungen in Nachbarländern sowie der Lage in Litauen suchen wir nach Angelpunkten und Zusammenhängen, wollen den umfassenderen Hintergrund sehen“, – weiß Lina Motuzienė. „Das Festival erinnert uns daran, dass eine argumentierte Einschätzung nach Sorgfalt verlangt, und zwar nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für den Nachlass der Vergangenheit.“ 

Das diesjährige Festival, das einen neuen fünfjährigen Zyklus „Erbe der Moderne. 100 Jahre nach dem großen Krieg“ einleitet, konzentriert sich auf den historischen und kulturellen Hintergrund am Anfang des Ersten Weltkriegs. Die Weichen des Festivals werden vom internationalen Kuratorium gestellt, unter der Leitung der Historikerin Dr. habil. Ruth Leiserowitz. Im Kuratorium sind Historiker, Kunsthistoriker, Musikwissenschaftler, Philologen und Experten anderer Gebiete, Vertreter der Kulturvereine – des Goethe-Instituts, der „Borussia“ und der „Academia Baltica“.

Nach dem dreijährigen Festivalzyklus, der dem Werk und der gesellschaftlichen Haltung von Czesław Miłosz gewidmet war, überlegte das Kuratorium eine neue Richtung. Sie wurde vom Jahrestag des Ausbruchs des ersten Weltkriegs, der dieses Jahr begangen wird, suggeriert, von der Bedeutung des Kriegs für Europa und in der Weltgeschichte sowie von der Literatur darüber: „1913: Der Sommer des Jahrhunderts“ von Florian Illies, bereits als Klassiker gehandelte Werke „Der Untergang des Abendlandes“ sowie „Der Mensch und die Technik“ Oswald Spenglers, Stefan Zweigs Autobiographie „Die Welt von gestern: Erinnerungen eines Europäers“.

Die Themen des Festivalzyklus werden, einander ergänzend, diverse Aspekte der Geschichte und der Kultur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts behandeln, von der Expressionismus-Richtung in der Kunst bis zum Untergang der Reiche oder der Persönlichkeit Thomas Manns und seiner politischen Ansichten.
Den Veranstaltungen des Festivals ist traditionsgemäß die dritte Juliwoche vorbehalten, dennoch freut sich das Thomas-Mann-Haus und –Kulturzentrum nicht nur während des Festivals auf Gäste. Mitte August wird eine traditionelle Kulturwoche ausgerichtet, die diesmal unter dem Titel „Warum Nidden?“ läuft und zu Vorträgen, Dokumentarfilmen sowie zum Konzert einladen wird.

Das in Nida tätige Kulturzentrum wird stets von Fachleuten aus verschiedenen Gebieten besucht – seit Jahren besteht die Zusammenarbeit mit Universitäten, Forschungsinstituten sowie anderen Kultur- und Bildungseinrichtungen.
 
Vor kurzem hat im Kulturzentrum eine Tagung stattgefunden, zu der sich Archäologen aus Deutschland, Polen, Russland und Litauen zusammengefunden haben, die an der Kommission zur Erforschung von Sammlungen archäologischer Funde und Unterlagen aus dem nordöstlichen Mitteleuropa (KAFU) beteiligt sind. Bereits einige Jahre werden zusammen mit dem Institut für litauische Sprache Sommercamps für Nachwuchswissenschaftler und Studenten der geisteswissenschaftlichen Fachrichtungen organisiert.

Ein weiteres Ziel des Kulturzentrums ist es, die außergewöhnliche ethnische Tradition der Kurischen Nehrung zu vergegenwärtigen. Für dieses Jahr ist ein Seminar geplant, das einer einmaligen Persönlichkeit – dem Denkmalpfleger, Kunsthistoriker und Museumspfleger der Provinz Ostpreußen Richard Jepsen Dethlefsen gewidmet ist, einem der Gründer des Ostpreußischen Freilichtmuseums für Heimatkunde in Königsberg. Im Großteil der Ausstellung dieses Museums wurde Litauen und seine ethnischen Züge vorgestellt.

„Das Thomas-Mann-Kulturzentrum will mit seinen Aktivitäten den kulturellen und Bildungsspielraum erweitern. Dafür sind die lokale Anziehungskraft, die Aura um das Thomas-Mann-Sommerhaus, die starke Gemeinde der Nehrung und die Tätigkeit günstig, die viele Menschen aus Litauen und anderen Ländern vereinigt“, – so Lina Motuzienė.